Im November liegt ein großer Fokus auf der Awareness für Lungenkrebs. Zwischen 85-90% der Bronchialkarzinome sind tabakassoziiert – daher gilt es insbesondere RaucherInnen zu sensibilisieren. Wir sprachen daher mit OA Dr. Rainer Kolb über Awareness, späte Diagnosen und aktuelle Therapiemöglichkeiten.

OA Dr. Rainer Kolb

OA Dr. Rainer Kolb, Facharzt für Lungenheilkunde am Landesklinikum Wels-Grieskirchen

Herr Dr. Kolb, warum ist es so wichtig, die Bevölkerung – aber besonders RaucherInnen – auf die Thematik Lungenkrebs aufmerksam zu machen?

Wir wissen seit langem, dass das Lungenkarzinom eine Raucher-assozierte Erkrankung ist. Nur rund 10% aller an Lungenkrebs erkrankten sind in Österreich NichtraucherInnen. Und während früher noch mehr Männer als Frauen geraucht haben, ist dies inzwischen umgekehrt – daher sehen wir auch immer mehr Lungenkrebspatientinnen in der Statistik. Es ist daher enorm wichtig, auf die Schäden durch Rauchen aufmerksam zu machen. Diese sind im Übrigen nicht nur Lungenkrebs, sondern auch COPD, Harnblasenkarzinome Gefäß- und Herzerkrankungen.

PatientInnen mit COPD- und Lungenkrebsdiagnose können wir wesentlich schlechter behandeln, da eine Operation häufig nicht durchführbar ist. Die bestmögliche Therapie ist bei diesen Personen schlicht nicht möglich. Daher ist ein Rauchstopp – egal wann – immer eine gute Idee!

Denken Sie, nehmen viele RaucherInnen das Risiko bewusst in Kauf? Oder sind Risiken nicht ausreichend bekannt?

Nein, ich denke die Risiken sind vielen überhaupt nicht bewusst. Das liegt vermutlich auch daran, dass wenn man im jugendlichen Alter mit dem Rauchen beginnt, überhaupt keine Lungenprobleme hat. Der gelegentliche Raucherhusten wird ja oftmals noch als „cool“ empfunden. Ab 40 kommen dann die ersten Probleme wie bspw. COPD, die nicht heilbar ist. Jungen RaucherInnen zu sagen „ab 40 kann dies und jenes passieren“, hat leider selten eine Wirkung.

Warum wird Lungenkrebs meist erst recht spät diagnostiziert?

Das Lungenkarzinom braucht oft Jahre, manchmal Jahrzehnte, bis es sich entwickelt. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt verspürt man auch keinerlei Symptome. Husten ist wichtiges Symptom. Wenn der Raucherhusten mehr wird und sogar Schmerzen bereitet, sollte ein Lungenfacharzt aufgesucht werden.

Rund 70% aller Lungenkrebsdiagnosen werden zu einem Zeitpunkt gestellt, in dem eine Operation nicht mehr möglich ist (Stadium III oder IV). Zu dieser Zeit hat der Krebs bereits gestreut, sodass bereits andere Symptome (wie Knochen- oder Kreuzschmerzen, zerebrale Anfälle, Bluthusten) auftreten.

Würde ein Früherkennungs-Programm einen Nutzen bringen?

Dazu wurden bereits mehrere Studien gemacht, die Ergebnisse aber sehr kontrovers diskutiert. Es hat sich gezeigt, dass bei Personen, die regelmäßig ein CT erhalten, Lungenkrebs früher erkannt und operiert werden kann. Ein Lungenröntgen alleine reicht nicht aus.

Der Aufwand – sowohl personell als auch kostentechnisch – ist allerdings enorm. Ob ein Früherkennungsprogramm volkswirtschaftlich Sinn macht, ist daher fraglich.

Wie sehen Sie die aktuellen Therapiemöglichkeiten in Österreich?

Im internationalen Vergleich stehen wir hier in Österreich wirklich an der Spitze was Therapiemöglichkeiten betrifft. Unser Gesundheitssystem wird oft als teuer bezeichnet, es ermöglicht aber jeder Patientin und jedem Patienten die bestmögliche Behandlung. Gerade beim Lungenkarzinom ist es daher möglich, individuell auf die Erkrankung einzugehen und mit Immun-, Chemo- oder zielgerichteter Therapie ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Wie sehen die Auswirkungen auf die Lebensqualität von PatientInnen aus?

Mit der Immuntherapie sehen wir nicht nur, dass sich die Lebenserwartung verbessert, sondern auch insbesondere die Lebensqualität steigern lässt. Seit 2017 ist diese in Österreich zugelassen und im Vergleich zur Chemotherapie ist mit weniger Nebenwirkungen zu rechnen. Dies ist für PatientInnen ein enorm wichtiger Punkt.

Wie schaffen wir es, RaucherInnen zum Umdenken/Rauchstopp zu bewegen?

Die Maßnahmen der letzten Jahre in der EU haben sicherlich schon ein wenig geholfen. Das Rauchen in der Öffentlichkeit unattraktiv zu machen, bzw. es auch zu verbieten, ist ein wichtiger Schritt. Je besser der Nichtraucherschutz ist, desto weniger Menschen werden rauchen.

Die Awareness, wie schädlich das Rauchen ist, gilt es natürlich auch auszubauen. Ich denke wir sind da auf einem guten Weg, Lungenkrebserkrankungen seltener werden zu lassen. Und je früher das Rauchen aufgegeben wird, desto besser. Jede einzelne nicht gerauchte Zigarette hilft!

Autor: Lukas Winter
Bilder: Adobe | Privat

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