Rund 5.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich an Darmkrebs. Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen betroffen. Mehr als 2.000 Todesfälle gehen jedes Jahr auf die Erkrankung zurück. Warum Darmkrebs leicht zu verhindern wäre, verrät OA Dr. Philip de Maré, Leiter des Darmgesundheitszentrums im St. Josef Krankenhaus Wien.

Darmkrebs wäre verhinderbar, man sagt sogar 100%. Ist dem wirklich so?

In der Medizin kann man nur selten von 100% ausgehen. Durch eine effektive Vorsorge lassen sich jedoch viele Krebsfälle verhindern. Bis eine Zelle der Darmschleimhaut zu einem Polypen und dieser wiederum zu einem bösartigen Tumor wird, dauert es acht bis zehn Jahre. Diese Zeit haben wir, um Krebsvorstufen – wie Polypen und Adenome – oder auch frühe Krebsstadien zu entdecken und zu entfernen.

Darmkrebs kann auch genetisch bedingt sein. Was sollte ich tun, wenn ich weiß, dass in meiner Familie vermehrt Darmkrebs aufgetreten ist?

Wichtig ist es, die Familienanamnese zu objektivieren, am besten durch Erhebung eines medizinischen Stammbaumes. Nicht immer sind verschiedene Krebsformen miteinander verwandt – ein Prostatakarzinom in der Familie spielt z.B. in diesem Zusammenhang keine Rolle. Insofern ist nicht jeder Patient, der meint aus einer Krebsfamilie zu kommen, wirklich genetisch vorbelastet.

Dr. De Mare

OA Dr. De Maré im Gespräch mit einer Patientin.

Die Vorsorge-Untersuchung ist ein zentraler Part der Früherkennung. Können Sie kurz zusammenfassen wie diese Untersuchung aussieht?

Die Untersuchung der Wahl ist die Darmspiegelung (Koloskopie) ab dem 50. Lebensjahr. Damit der Dickdarm gut beurteilbar ist muss der Darm optimal gereinigt und entleert sein. Die Untersuchung dauert ca. 15 Minuten, durch Gabe einer „Schlafspritze“ ist sie schmerzarm und für den Patienten wenig belastend. Dadurch hat die Koloskopie viel von ihrem Schrecken verloren. Falls Gewebeproben entnommen wurden, erfolgt zehn bis vierzehn Tage danach eine Befundbesprechung, ansonsten bekommt man das Ergebnis gleich mit.

Wenn sich bei der Untersuchung der Verdacht auf eine Darmkrebs-Erkrankung erhärtet, welches sind die weiteren Schritte?

Im Rahmen der Koloskopie werden Gewebeproben entnommen, die Aufschluss darüber geben, ob die Veränderung gut- oder bösartig ist. Falls ein Darmkrebs diagnostiziert wurde, führt man eine Computertomografie des Brust- und Bauchraumes durch, bei Mastdarmkrebs auch eine Magnetresonanztomographie und eine Endosonographie („Ultraschall von innen“). Anhand dieser Untersuchungen wird das Tumorstadium bestimmt und im Rahmen einer interdisziplinären „Tumorkonferenz“ die Behandlungsstrategie für den jeweiligen Patienten festgelegt.

Oft muss auch chirurgisch eingegriffen werden. Sind Tumore im Darmtrakt gut operabel?

Wenn der Tumor lokal begrenzt ist, ohne Metastasen, und noch keine benachbarten Organe befallen sind, ist der Darmkrebs gut operabel. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium sind die Operationen aufwändiger und müssen zum Teil auch über mehrere Sitzungen geplant werden. Ziel ist immer die komplette Entfernung des Tumors und die Heilung des Patienten.

Welchen Rat haben Sie noch für unsere LeserInnen?

Wie so vieles sind auch die Ursachen für Darmkrebs meist in der Ernährung und dem Lebensstil zu finden. Meine Empfehlung lautet daher: Gesunder Lebensstil – also viel Bewegung, kein Rauchen und eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch statt Fleisch – sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr.

Autor: Lukas Winter
Bilder: Fotolia | St. Josef Krankenhaus, Alek Kawka


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