Brustkrebs ist und bleibt auf Platz 1 der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Viele Sterbefälle könnten vermieden werden, wenn Frauen regelmäßig zur Früherkennung gehen würden. Denn zeitgerecht erkannt, gibt es gute Behandlungschancen. Wir sprachen mit Univ.-Doz. Dr. Hans Jantsch über die Fortschritte in der Mamma-Diagnostik.

Pro Jahr erkranken rund 5000 Frauen in Österreich an Brustkrebs. Könnte diese Zahl geringer sein?

Eine echte Prävention von Brustkrebs gibt es derzeit nicht. Natürlich kennen wir Risikofaktoren, wie Übergewicht und Alkohol sowie die Hormonersatztherapie, aber viele Frauen trifft es schicksalhaft ohne erkennbare Risikofaktoren.

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Status bzw. Zahlen der Brustkrebs Früherkennung in Österreich?

Nicht zufrieden, wir sind von unserem Ziel hauptsächlich Frühstadien und wenig fortgeschrittene Tumore zu finden weit entfernt. Die Erwartung, dass mehr Frauen mit der Einladung häufiger zur Mammographie gehen ist nicht eingetroffen, ganz im Gegenteil, in der Hauptzielgruppe der Frauen zwischen 45 und 69 Jahren ist die Teilnahmerate ca. 15-20% geringer. Man müsste die Gynäkologen und Hausärzte wieder in die Brustkrebsvorsorge einbinden, sie motivieren Frauen viel besser als ein anonymes Einladungsschreiben.

Seit 2014 gibt es ein Brustkrebsfrüherkennungsprogramm. Was hat sich seither getan?

Leider ist bis heute trotz des persönlichen Einsatzes

Univ.-Doz. Dr. Hans Jantsch

Univ.-Doz. Dr. Hans Jantsch, Facharzt für Radiologie

der verantwortlichen Mediziner Werbung und Veranstaltungen in Brustzentren kein Trend einer Zunahme zu erkennen. Offensichtlich erkennen die Frauen die Vorteile des neuen Programms nicht. Alle radiologischen Ordinationen unterliegen strengen Qualitätsbestimmungen und haben diese mehr als erfüllt. Alle RadiologInnen haben einen Kurs absolviert, eine Prüfung abgelegt, lassen die Geräte noch engmaschiger überprüfen, haben teure Software nachgerüstet, viel Zeit und Geld investiert, damit auch die Datenübermittlung für die Evaluierung des Programms funktioniert.

Leider erfolgt die Rückmeldung der Spitäler über die Abklärung von suspekten Mammografiebefunden mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg nur sehr unvollständig. Die Evaluation ist damit schwierig bis unmöglich. Im langjährigen Durchschnitt ist die Zahl der registrierten Brustkrebserkrankungen um ca. 300 Frauen pro Jahr zurückgegangen. Wir befürchten diese wieder in fortgeschrittenen Stadien mit schlechterer Prognose zu finden.

Viele Frauen tasten sich zuhause regelmäßig selbst ab. Warum sollten sie aber in ein Brustkrebszentrum zur genaueren Untersuchung gehen?

Wir wissen aus unseren Zahlen aus dem Brustgesundheitszentrum Goldenes Kreuz, dass bei mehr als 2/3 der Patientinnen mit Mammatumoren eine präoperative Markierung durchgeführt werden muss, da der Operateur selbst im Wissen wo der Tumor sitzt, diesen nicht tasten kann. Das heißt, wir entdecken die Tumore häufig in einem frühen prognostisch günstigeren Stadium.

Wie sieht eine „klassische“ Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung aus?

Es wird eine digitale Mammographie in zwei Ebenen durchgeführt, die dann unabhängig von zwei zertifizierten Radiologen befundet wird. Ein Gespräch bzw. Tastbefund ist nicht vorgesehen und eine Sonographie nur in begründeten Fällen, jedenfalls nicht häufiger als bei 1/3 der untersuchten Frauen. Nur in Österreich kann der Ultraschall sinnvoller Weise direkt im Anschluss an die Mammografie durchgeführt werden. In vielen Ordinationen wird eine klinische Untersuchung durchgeführt und häufiger als vorgegeben ein Ultraschall. Diese Mehruntersuchungen werden nicht honoriert. In unserer Ordination wird nach jeder Mammografie auch eine Sonographie durchgeführt.

Viele Frauen haben Angst vor Schmerzen bei einer Mammographie. Ist diese berechtigt?

Der notwendige Druck für eine Mammographie hat durch die technische Weiterentwicklung ständig abgenommen. Vor allem bei der Tomosynthese brauchen wir nur wenig Druck, da bei dieser Technologie die Brust in Millimeterschichten dargestellt wird. Der benötigte Druck wird dabei nicht mehr als schmerzhaft empfunden.

Woran erkennt man ein gutes Brustkrebszentrum? Welche Faktoren gilt es bei der Wahl zu beachten?

Es gibt in Österreich 52 international zertifizierte Brustgesundheitszentren. Diese sind eine empfehlenswerte Anlaufstelle für die Abklärung suspekter Befunde bzw. für die Therapie von Tumoren. Es gibt auch neue Technologien, wie die Tomosynthese oder die Kontrastmittel-subtraktionsmammographie, die noch nicht Eingang in das BKFP gefunden haben, aber an mehreren Stellen bereits angeboten werden. Wir wissen aus sehr großen Studien, dass die Sensitivität der 3 D-Mammographie der normalen 2D Mammographie um zumindest 33% überlegen ist und das bei gleichzeitig zumindest 17% weniger falsch positiven Befunden. Das heißt die 3D Mammographie ist in ihrer diagnostischen Sicherheit der 2D Mammographie um zumindest um 50% überlegen.

Viele Frauen haben sicherlich Angst vor einer Krebsdiagnose und wagen daher nicht den Schritt zur Früherkennung. Wie kann man hier entgegenwirken?

Wenn man die Überlebenskurven nach verschiedenen Tumorstadien aufgeteilt aufschlüsselt, so überleben frühe Stadien wesentlich besser als Spätstadien. Man kann daher nur jeder Frau sagen: „Geben Sie sich und uns eine realistische Chance Brustkrebs rechtzeitig zu finden.“ An Brustkrebs muss man heute nicht mehr sterben, man muss ihn nur rechtzeitig finden!

Autor: Univ.-Doz. Dr. Hans Jantsch
Bilder: © Fotolia | ZVG


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