Buchautor und Fußballer Nino Rauch erzählt im Interview, wie er als Jugendlicher Lymphdrüsenkrebs besiegte und warum man die Krankheit annehmen muss, bevor man gegen sie ankämpfen kann.

Wie alt warst du zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose?

Ich war 14 Jahre alt als bei mir ein Non-Hodgkin-Lymphom festgestellt wurde.

Was waren die Symptome?

Zuerst war das wie ein Schnupfen, ich habe mir aber nichts gedacht und bin weiter zur Schule und zum Training gegangen. So ging das über Wochen bis plötzlich mein rechtes Ohr taub war. Ich ging dann zur Physiotherapeutin und auch zum HNO-Arzt, aber beide meinten dass es nichts Ernstes sei. Als ich eines Nachts aber aus dem Ohr blutete – der Tumor hatte eine Ader zum Platzen gebracht – war mir klar, das könnte etwas Ernsteres sein und bin ins Wiener AKH gefahren.

Nino Rauch

Mag. Nino Rauch überstand mit 14 Jahren eine Krebserkrankung

Wie viel Zeit verging zwischen den ersten Symptomen und der Diagnose?

Das waren 6-8 Wochen bis zu den Gewebsentnahmen mit der anschließenden Diagnose, dass ich Krebs habe.

Wie war die Überbringung der Diagnose? Wie erlebt man das als Jugendlicher?

Das war dann im St. Anna Kinderspital. Ich glaube meine Mutter wusste es schon früher, oder zumindest lag der Verdacht nahe. Das Wort „Krebs“ wurde nie ausgesprochen, mir gegenüber fiel immer nur der Begriff „Tumor“ und das war für mich viel weniger bedrohlich als Krebs. Ich fühlte mich ja fit, wollte wieder Fußball spielen gehen. Fußball war zu der Zeit das aller wichtigste, ein Krankenhausaufenthalt hat da nicht gepasst. Deshalb habe ich wohl auch den Ernst der Erkrankung nicht verstanden oder auch verdrängt.

Wie hat deine Familie reagiert?

Ich habe im Kinderspital ein Zimmer mit meiner Mutter geteilt, sie war also ständig bei mir. Das war damals als Jugendlicher alles andere als angenehm und ich habe viel Frust an ihr ausgelassen. Für mich war das anfangs sehr belastend, bis ich gemerkt habe wie ernst es um mich steht. Da hat sich meine Einstellung dann geändert. Ich wusste, um den Krebs zu besiegen brauche ich jede Unterstützung und habe alle in mein Team geholt.

Hast du mit deinen Freunden über die Erkrankung gesprochen?

Ich war an der Fußballakademie in St. Pölten und dort hat sich meine Erkrankung rumgesprochen wie ein Lauffeuer. Ich aber habe mich komplett abgeschottet und wollte zu niemandem Kontakt haben. Ich wollte so schnell wie möglich zurück zum Fußball, zurück zum Alltag.

Warum wolltest du keinen Kontakt?

Ich habe das erste Monat gegen alles gekämpft. Ich war frustriert und trotzig. Erst später, mit den Behandlungen und Erlebnissen im Spital, habe ich begonnen nur die Krankheit zu bekämpfen. Rückblickend glaube ich war es für mich einfach wichtig, dass ich mich auf mich allein konzentriert habe. Natürlich war ich froh, als mein Trainer und der Klassenvorstand zu Besuch kamen, aber ich musste alle Energien für mich bündeln.

Hast du dich für deine Erkrankung geschämt?

Für die Krankheit nicht, aber wenn nach und nach die Haare ausgehen, durch die Chemotherapien die Schleimhäute angegriffen werden und man bei jedem Zähneputzen Schmerzen hat, empfindet man schon Scham. Da wollte ich wirklich niemanden sehen. Ich wollte gesund werden und gestärkt wieder rauskommen. Damals gab es in der Schule auch einen großen Konkurrenzkampf – wer der beste Schüler oder Fußballer ist, da durfte man keine Schwäche zeigen. Ich wollte erstrecht nicht, dass mich jemand in der Zeit meiner größten Schwäche sieht.

Wie verlief dann deine Behandlung?

Man bekommt ja jeden Tag neue Blutwerte, wird ständig gemessen und erhält den aktuellen Entwicklungsstand. Bei meinem Krebs war es wichtig, dass die erste Chemotherapie greift, sonst hätte es schlecht ausgesehen. Zum Glück hat die gegriffen!

Nino Rauch

„Fußball war mir das wichtigste. Ein Krankenhausaufenthalt hat überhaupt nicht in meinen Plan gepasst.“

Und wann warst du krebsfrei?

Ich wurde nach 3 Monaten aus dem Spital entlassen. Was die Krankheit aber mit sich bringt, ist der Fakt, dass es eine gewisse Rückfallquote gibt. Das heißt  man zittert bei jedem Bluttest, bei jeder Nachkontrolle wieder. Es könnte dir jederzeit wieder der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Dieses Erlebnis – man ist geheilt – hatte ich so nicht.

Hast du trotzdem den Sieg über die Krankheit gefeiert?

Nicht wirklich. Ich wollte so schnell wie möglich wieder trainieren, zurück ins Internat. Mein Traum war es, Profifußballer zu werden und dafür wollte ich kämpfen. Zuerst musste ich aber wieder meinen Körper aufbauen und zu einer Kondition kommen. Ich hatte ja über 10 Kilo verloren, darunter viel Muskelmasse. Allein das Stiegen gehen hat mich am Anfang schon gefordert.

Wie geht es dir heute?

Gut! Ich hatte vor 5 Jahren die 10-Jahres-Untersuchung, das ist die Abschlussuntersuchung, und bin anschließend aus dem Spital entlassen worden. Heute mache ich jedes halbe Jahr eine Gesundenuntersuchung und lasse meine Blutwerte checken. Das rate ich übrigens jedem!

Nino Rauch hat über die Zeit der Krebserkrankung das Buch „Leben ohne Ende – Wie ich als Kind den Krebs bezwang“ geschrieben. Spiele bei unserer Verlosung mit – mit etwas Glück gewinnst du ein Exemplar des Buches!

Autor: Laura Gasser
Bilder: ZVG, pexels.com


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