Das Thema Krebserkrankungen ist keines, mit dem ÖsterreicherInnen gerne in Berührung kommen. Daher ist das Wissen rund um Früherkennung und Prävention bei vielen ausbaufähig. Awareness-Kampagnen schaffen es, Menschen mit Informationen zu erreichen. Wie das die Krebshilfe Salzburg macht, fragten wir bei Geschäftsführer Mag. Stephan Spiegel nach.

Mag. Stephan Spiegel

Mag. Stephan Spiegel ist Geschäftsführer der Österreichischen Krebshilfe Salzburg.

Herr Mag. Spiegel, wie gut schätzen Sie das Wissen der ÖsterreicherInnen über Krebserkrankungen ein?

Das kommt natürlich immer darauf an, mit wem man spricht. Generell glaube ich schon, dass die ÖsterreicherInnen viel über Krebs wissen. Allerdings bemerken wir schon Unterschiede. Menschen, die familiär betroffen sind und „Erfahrungen“ mit der Erkrankung in der Familie haben, kennen sich besser aus (aus eigener Erfahrung), als Menschen, denen diese Erfahrung (zum Glück) fehlt. Oft mischen sich gerade bei diesen Menschen Wissen und Halbwissen („ich habe gehört“ oder „man sagt ja …“) mit echtem Wissen. Dies führt dann oft zu einem Reflex, sich nicht um die Gesundheit zu bemühen, weil … solange man nicht darüber nachdenkt oder man sich aktiv um eine Prävention kümmert … solange fühlt man sich gut, gesund und sicher. Für viele Menschen ist der Gang zur Vorsorge oder Früherkennungsuntersuchung mit einer Angst verbunden (es könnte ja etwas sein …). Da geht man dann lieber nicht. Diese Angst ist aber vor allem mit Unwissenheit begründet.

Zu welchen Themen sollte besser informiert werden?

Es besteht leider viel Halbwissen oder Wissen, das auf Gerüchten und nicht auf Fakten aufbaut. Ich finde es sehr wichtig, dass hier wieder mehr auf die Fakten gehört wird und Menschen auch das notwendige Vertrauen in die Wissenschaft und Medizin haben. Es gibt sehr effiziente Früherkennungsangebote, die noch immer viel zu wenig genutzt werden. Besonders sorgen wir uns hier um Männer. Diese gehen noch immer viel zu selten zur Krebsvorsorge. Generell wäre es wichtig, dass noch viel intensiver über Früherkennung und die Krebsvorsorge informiert wird. Es sollte das Ziel sein, dass jeder Mensch ganz automatisch seine Gesundheit wertschätzt und Früherkennung in Anspruch nimmt. So würden Krebserkrankungen noch früher (und rechtzeitig) erkannt bzw. verhindert. Damit ließen sich viele Leben retten. Natürlich spielt aber auch der gesunde Lebensstil der Menschen eine große Rolle. Das Wissen rund um „Bewegung“ oder „Ernährung“ ist bei vielen Menschen nicht vorhanden. Wir hören oft „Ja, ich weiß, ich sollte mich mehr bewegen und gesünder essen, aber ich weiß nicht genau wie ich das machen soll“. Hier wäre es sicherlich zielführend Menschen in leicht verständlicher Weise „mitzunehmen“ und zu einem gesünderen Leben zu motivieren.

Wie sieht die Aufklärungsarbeit der Krebshilfe Salzburg aus?

Wir sind täglich darum bemüht in unseren Beratungsstellen Menschen zu informieren, zu begleiten und zu motivieren, auf die eigene Gesundheit zu schauen. Das betrifft aber meist krebskranke Menschen. Um die breite Bevölkerung zu erreichen betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit (Zeitungen, Magazine, Broschüren, TV, etc.) veranstalten Gesundheitstage, nehmen an Events teil (zB. Salzburger Lauffestspiele) oder veranstalten selbst Events (Charities, etc.). Natürlich informieren wir auch in Vorträgen (Firmen, Schulen, Gemeinden) und im Internet. Nicht zu vergessen sind unsere großen Kampagnen (Österreichische Krebshilfe) wie PINK RIBBON, Loose-Tie (Prostatakrebsvorsorge), Sonne ohne Reue, Don‘t smoke, Don‘t wait (Darmkrebsvorsorge) oder die Kampagne zur HPV Impfung, die selbstverständlich auch durch die Krebshilfe Salzburg intensiv umgesetzt werden.

Sie setzen auch auf Präsenz bei Events, wie bspw. beim Salzburg Marathon. Warum?

Eine Präsenz bei Veranstaltungen mit einem „Gesundheitsbezug“ ist uns wichtig, weil wir hier ein Zeichen setzen können. Beim Salzburg Marathon/Lauffestspiele/Frauenlauf kommt hinzu, dass wir Bewegung als Mittel in der Krebsprävention aber auch in der Therapie betonen können. Leider ist es aber so, dass wir hier oft mit ohnehin gesundheitsaffinen Menschen zu tun haben. Wir sind daher drum bemüht, über unsere Kanäle auch Menschen zu motivieren, sich selbst zu bewegen und zB. an einem Lauf teilzunehmen. Hier bietet sich natürlich das Lauffestival in Salzburg super an, da es Spitzensportler, Breitensportler aber auch völlige „Neueinsteiger“ anspricht.

Mit welchen Themen kann man „Risikogruppen“ für mehr Informationsbewusstsein motivieren?

Das ist schwer zu sagen, weil jeder seine eigene Motivation hat, etwas zu tun bzw. nicht zu tun. Eine Verhaltensänderung ist immer eine Änderung des Lebensstils. Und Veränderungen brauchen eine Anregung. Viele aber wollen diese Anstrengung nicht auf sich nehmen. Da kann man dann motivieren und motivieren, es wird nichts bringen. Das Wichtigste ist also der persönliche Wille, ohne den geht nichts. Dieser kann ohne Grund da sein, oder der Leidensdruck ist so groß, dass Menschen etwas ändern wollen (müssen). Ich denke es ist jedenfalls sinnvoll, Wege aufzuzeigen und Menschen dabei zu unterstützen selbst eine Änderung herbeizuführen, bevor der Leidensdruck zu groß wird. Wichtig ist die Begleitung, von allein schaffen es nur wenige. Darum unterstützen wir auch intensiv und helfen dabei, einen neuen Weg für sich zu finden. Insgesamt wäre es aber sehr wünschenswert, wenn wir uns wieder mehr bewegen und gesünder ernähren würden. Dann hätten wir schon sehr viel gewonnen. Und dass Rauchen schadet, das denke ich wissen ohnehin alle.

Was wollen Sie unseren LeserInnen noch mitteilen?

Wichtig ist mir noch, Menschen darin zu bestärken, auf sich zu achten, sich wahrzunehmen und ihre Gesundheit nicht fahrlässig auf’s Spiel zu setzen. Es gilt einen guten persönlichen Weg zu finden. Ich halte nichts von zu strengen Vorschriften, Einschränkungen oder Vorgaben. Menschen müssen freiwillig handeln und nicht durch einen äußeren Zwang. Wichtig ist ein gesundes Maß, wie bei allem, was man tut. Unbedingt aber sollten wir wertschätzen, was in Österreich möglich ist. Wir sind ein Land mit einem hohen Standard in der medizinischen Versorgung und den Möglichkeiten in der Vorsorge und Früherkennung. Wir sollten das auch für uns persönlich nutzen und regelmäßig zur (Krebs-)Vorsorge gehen. Was für unser Auto mit dem Pickerl möglich ist, sollte doch für uns selbst eine Selbstverständlichkeit sein. Achten wir auf uns. Aus Liebe zum Leben.

Weitere Informationen zu den Angeboten der Österreichischen Krebshilfe Salzburg finden Sie auf der Website der Krebshilfe Salzburg.

Autorin: Sarah Wenk
Bilder: Adobe | Krebshilfe Salzburg/wildbild.at

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